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 baubo erzählt...

"Demeter hatte eine liebreizende Tochter Persephone, welche sich eines Tages lustwandelnd im Garten erging. Plötzlich stieg Hades, der Gott der Unterwelt, aus einer Erdspalte empor und entführte die liebliche Persephone in die Unterwelt. 

Die Hilfeschreie der Jungfrau hallten indessen tief unter der Erde wider und sprangen wie ein dumpfes Echo von jedem Stein; sie gurgelten wie Quellwasser unter den sieben Meeren, und so vernahm Demeter den Hilferuf ihrer Tochter.

Demeter wütete, weinte, klagte, flehte um Gnade, aber sie fand ihre Tochter nicht. In ihrer Verzweiflung verfluchte sie, die Mutter des ewigen Wachstums, alles, was fruchtbar auf der Erde war. ´Stirb! Stirb! Stirb!`schrie sie, und von nun an wurden keine Kinder mehr geboren, kein Weizen gedieh, keine Knospe öffnete sich mehr. Die Erde selbst erstarb. Demeter wütete weiter bis eines Tages die Bauchgöttin Baubo sprach: ´nun aber Schluss damit, jetzt werde ich der guten alten Demeter erscheinen!´

Demeter hing weinend über einen Brunnen gebeugt, in den sie den Namen ihrer Tochter hineinschrie, als direkt vor ihr ein kopfloser Frauenrumpf erschien. Der Rumpf schwenkte die Hüften suggestiv im Kreis wie eine verführerische Bauchtänzerin, dass die Brüste auf und nieder wippten, und die Brustwarzen führten sich wie rotgeränderte Augen auf, die Demeter vorwitzig anblickten. Da Demeter durch diesen Anblick allein nicht geheilt werden konnte, begann die Vagina, die dem Rumpf als Mund diente, nun ein paar saftige Scherze zum besten zu geben, die die Erdmutter bald schon zu einem  richtigen Schmunzeln bewegten, und ihr schließlich ein Lachen entrissen, das ungestüm aus dem Bauch hervorbrach.

Da saßen die beiden Unsterblichen am Brunnenrand und lachten, daß selbst Hades davon bewegt wurde an die Oberfläche zu steigen und Persephone nach einigem Hin und Her aus seinem Reich zu entlassen. So geschah es, daß die Erde, die Felder und Meere, aber auch die Bäuche der Menschenfrauen wieder fruchtbar wurden.

Die Baubo stellt eine mythologische, jungsteinzeitliche Figur dar, die weit mehr als ein Fruchtbarkeitssymbol ist. Sie repräsentiert eine Sensibilität und eine Ausdrucksweise, die vom Uterus kommt, von den Brustwarzen und allen anderen Geschlechtsmerkmalen der Frau, in denen Gefühle ausgelöst werden können."

Zitat aus dem Buch "Die Wolfsfrau" von Clarissa Pinkola Estes

 

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